Mir scheint nun habe ich wirklich und wahrhaftig die ernährungstechnische Arschkarte gezogen. Bei meinem OGTT letztens kam ja raus, dass ich bereits eine Insulinresistenz aufweise. Nun war ich letzte Woche bei einer auf Allergien und Unverträglichkeiten spezialisierten Ernährungsberaterin (dieses Fachgebiet ist so umfassend, dass auf jeden Fall Spezialisten aufgesucht werden sollen), die mir auf dem Kopf eine Laktose- und auch eine Fruktoseintoleranz zusagte.
Hervorragend, ich bin begeistert, und in den ersten Tagen schlich sich der Gedanke „schlimmer kann es gar nicht mehr kommen“ ein. Ich musste das erst einmal ein paar Tage sacken lassen, denn Laktose-, Fruktoseintoleranz und Insulinresistenz sind aus ernährungstechnischer Sicht ein ziemlich doofes Trio, welche die Nahrungsmittelauswahl schon ziemlich einschränken.
Als typisches Sternzeichen Löwe falle ich bei „schlechten Nachrichten“ immer erst einmal in ein Frust-Loch, muss meine Wunden lecken. Nach ein paar Tagen komme ich da meist aber wieder raus und sehe optimistisch in die Zukunft. Lange kann so ein Sonnengemüt halt nicht frustig pessimistisch sein. Aber was heißt das jetzt, beziehungsweise wie kam Frau Ernährungsberaterin darauf?
Laktoseintoleranz ist mir schon seit vielen Jahren klar. Ich dachte nur, dass sie eventuell von einer anderen Kohlenhydratmalabsorption mit verursacht wäre. Kann aber nicht, meint Frau Ernährungsberaterin. Und wer auf einen Schluck Milch im Kaffee so reagiert, als hätte er Rizinusöl getrunken, der kann auch mit Sicherheit und ohne Test sagen, dass er eine Laktoseintoleranz hat. An den Test habe ich mich auch ehrlich nie rangetraut, denn es geht einem bei diesem Test, wenn man eine Laktoseintoleranz hat, ziemlich schlecht. Das Ganze für ein Ergebnis, das man eh schon zu 98% ahnt, muss dann in meinen Augen auch nicht sein.
Laktose ist ja Milchzucker, und es fehlt einem dabei die so genannten Laktase, ein Enzym, das dafür zuständig ist, den Milchzucker abzubauen. Halt, Korrektur, Laktase fehlt nicht, sondern ist nur in zu geringen Mengen vorhanden. So dass bei einem Intoleranzler ein gewisser Anteil an Laktose problemlos verdaut werden kann (je nachdem wie viel Laktase vorhanden ist). Alles was darüber hinaus geht, macht Probleme. Ein gutes Beispiel sind unsere Katzen, die ja von natur aus schon Laktoseintolerant sind und deswegen auf Kuhmilch mit Durchfall reagieren.
Da mich diese Problematik schon einige Jahre begleitet, weiß ich mittlerweile ziemlich gut, was ich vertrage und was nicht. Milch pur geht überhaupt nicht, Joghurt meistens auch nicht (mag ich auch alles nicht wirklich). Dagegen ist Käse überhaupt kein Problem und wenn ich Lust darauf verspüre, geht Quark auch. Milchpulver vertrage ich auch relativ gut, konnte ich an den verschiedensten Kakaos ausprobieren, die nur mit Wasser zuzubereiten sind. Also ändert sich an meinem gewöhnlichen Verhalten diesbezüglich nur wenig. Ich muss nur ein bisschen mehr auf die Inhaltsangaben auf den Verpackungen achten. Da Zucker generell als Konservierungsmittel in der Nahrungsmittelindustrie verwendet wird, findet sich z.B. auch in abgepackter Wurst oft Laktose (mittlerweile stattdessen sogar öfter Fruktose). Frau Ernährungsberaterin sagte mir, dass feste Milchprodukte meist viel besser vertragen werden als flüssige, da der Nahrungsbrei ja schübchenweise abgegeben wird, während Flüssiges geradeaus durchrauscht und damit in geballter Ladung ankommt.
Wie auch immer, lustig bei den ganzen Intoleranzen ist vor allem, dass wenn man wirklich auf seine Gelüste achtet, es einem automatisch fast gar nicht zu Nahrungsmitteln hinzieht, die Probleme bereiten könnten. So käme ich nie auf den Gedanken einen Cappuccino zu trinken oder mir Milch in den Kaffee zu schütten. Milch pur – ihgitt, da schüttelt es mich. Genauso wie bei Joghurt, ich mag ihn einfach nicht wirklich. Käse dagegen finde ich super genial und könnte mir ein Leben ohne Käse gar nicht vorstellen.
Was mich aber wirklich umgehaun hat ist die Fruktosetoleranz. Mit der hätte ich nie gerechnet. Obst nicht vertragen? Scheibenkleister… Gut, viel Obst habe ich nie gegessen, weil es mich nie wirklich gereizt hat. Ich mag z.B. Beeren recht gerne, ein paar Erdbeeren oder Heidelbeeren, hin und wieder Trauben und Ananas. Und komischerweise sind das auch genau die Früchte, die Fruktoseintoleranzler am besten vertragen. Frau Ernährungsberaterin hat mir eine Liste mitgegeben, denn bei Fruktoseintoleranz muss man darauf achten, dass das Verhältnis von Glukose und Fruktose in der Frucht ausgeglichen ist (am besten unter 1,0, also optimalerweise etwas mehr Glukose als Fruktose). Und dann natürlich auch nicht in Massen verzehren, sondern in Maßen. Okidoki no problem, hab ich eh nie anders gemacht.
Aber wie kam die Dame ganz ohne Test drauf? Die Frage Apfelsaft war es. Das ist nämlich bei mir ähnlich wie Kaffee mit Milch, innerhalb von einer halben bis einer Stunde sitze ich auf der Toilette und mache eine heftige „Entleerung“ mit. Und genau die Äpfel sind es, die von Fruktoseintoleranzlern am schlechtesten vertragen werden. Und natürlich die flüssige Form macht am meisten Probleme. Test noch notwendig? Ich sage wie bei der Laktoseintoleranz: Nein Danke, das muss ich mir nicht antun.
Bei der Fruktoseintoleranz stellt sich aber ein ganz anderes Problem, nämlich die Insulinresistenz, die ja eigentlich die Fruktose verträgt, stattdessen aber die Glukose nicht. So sind z.B. die meisten Diabetikerprodukte anstatt mit Glukose mit Fruktose gesüßt. Fällt für mich gleich mal weg. Auch mein erst angedachtes Dauergetränk, etwas Fruchtsaft mit viel Wasser gemischt, ist damit durchgefallen (außer Citrusfrüchte und eventuell Beeren). Da ich damit aber vor einem richtigen Getränkeproblem stehe, vor allem weil mir auf Süßstoff-Getränke übel wird, werde ich da wohl abwägen müssen. Was ist schlimmer, die Fruktoseintoleranz oder die Insulinresistenz. Definitiv letzere. Und dann muss ich pö a pö ausprobieren, was vertrage ich und was nicht. Hervorragend, ich bin begeistert.
In Punkte Ernährung heißt das bei mir zukünftig: Low Carb mit so wenig wie möglich Laktose und Fruktose. Da gerade Laktose und Fruktose die beiden „Süßstoffe“ sind, auf die Low Carbler zur Süßung zurückgreifen, stellt sich das Ganze etwas schwieriger dar. Jetzt darf ich noch mehr als bisher die Etiketten im Supermarkt lesen
und weitaus mehr auf frische Produkte umsteigen.