Wer sein Ausdauertraining effektiv gestalten möchte, sollte sich an seiner Pulsfrequenz, genauer dem Trainingspuls orientieren. Oft wird der Trainingspuls mit allgemeinen Formeln berechnet. Diese sind aber ziemlich ungenau, das sie auf die spezifische Person gar nicht eingehen. Bei der Karvonenformel, die ich Euch heute vorstellen möchte, wird in die Berechnung des Trainingspuls der individuelle Ruhepuls mit einbezogen.
Trainingspuls: wer ihn nicht beachtet läuft Gefahr ineffektiv zu trainieren
Wer bei seinem Ausdauertraining den Trainingspuls nicht beachtet bzw. auch keine Pulsmesser benutzt erhöht die Gefahr entweder ineffektiv zu trainieren (unterhalb des optimalen Trainingspuls) oder aber des Übertrainings (oberhalb des optimalen Trainingspuls). Gerade untrainierte Personen laufen oft Gefahr des Übertrainings, was sich auch schädlich auf die Gesundheit auswirken kann.
Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass sich die Herzfrequenz von trainierten Personen ruhiger gestaltet, als die von untrainierten Personen. Ein trainierter Mensch kommt lange nicht so schnell „aus der Puste“, wie jemand, der sich in den letzten Jahren ausführlich seinem Couch-Potatoe-Dasein widmete.
Trainierte Menschen laufen dagegen eher der Gefahr des Untertrainings. D.h. es kann passieren, dass sie bei ihrem Training unterhalb des optimalen Trainingspulses liegen und damit nicht effektiv trainieren, also keine Leistungssteigerung verbuchen können.
Optimaler Trainingspuls
Der optimale Trainingspuls teilt sich in zwei Bereiche auf. Einmal dem unteren Wert, der bei 60% der maximalen Herzfrequenz liegt und einem rein aeroben Grundlagenausdauertraining entspricht. Der obere Wert liegt bei 80% der maximalen Herzfrequenz und wird dem aeroben/anaeroben Mischstoffwechsel zugeordnet. Untrainierte Personen sollten sich im unteren Bereich des Trainingspulses bewegen, während trainierte Menschen sich dem oberen Bereich widmen können, so die allgemeine Empfehlung.
Diese Empfehlung der Theorie ist aber in der Praxis etwas schwierig einzuhalten, denn der Untrainierte liegt schon bei geringerer Intensität gerne im oberen Bereich, während der Trainierte schon weitaus mehr Intensität benötigt, um überhaupt in den oberen Bereich zu gelangen.
Formel zum Berechnen des optimalen Trainingspuls
Soviel zur Theorie und den Hintergründen. Nun zu der Berechnung des optimalen Trainingspuls nach der Karvonenformel, wozu der Ruhepuls benötigt wird. Den Ruhepuls misst Du am bestens kurz nach dem Aufwachen am Morgen noch im Bett liegend. In der Regel liegt er bei 60 bis 80 Schläge pro Minute, kann bei trainierten Menschen aber auch erheblich darunter liegen.
- Als erstes wird nach der Karvonenformel der Maximalpuls ermittelt. Dieser errechnet sich wie folgt:
Maximalpuls = 220 – Lebensalter
Als Beispiel mein Maximalpuls: (220 – 39 = 181) - Im zweiten Schritt ermitteln wir die so genannte Pulsreserve:
Pulsreserve = Maximalpuls – Ruhepuls
Als Beispiel meine Pulsreserve: (181 – 80 = 101) - Im dritten Schritt ermitteln wir den oberen Wert des optimalen Trainingspuls, der bei 80% der maximalen Herzfrequenz liegt:
Pulsreserve x 80% = …
Oberer Wert = dieses Ergebnis + Ruhepuls
Als Beispiel mein oberer Wert des optimalen Trainingspuls:
101 x 80% = 80,8
80,8 + 80 = 160,8 - Als vierten und letzten Schritt ermitteln wir den unteren Wert des optimalen Trainingspuls, der bei 60% der maximalen Herzfrequenz liegt:
Pulsreserve x 60% = …
Unterer Wert = dieses Ergebnis + Ruhepuls
Als Beispiel mein unterer Wert des optimalen Trainingspuls:
101 x 60% = 60,6
60,6 + 80 = 140,6 - Der optimale Trainingspuls liegt zwischen dem in Punkt 4 ermittelten unteren Wert und den in Punkt 3 ermittelten oberen Wert.
Bei mir liegt der optimale Trainingspuls zwischen 140 und 160.
Für mein Ausdauertraining strebe ich also einen Trainingspuls zwischen 140 und 160 an, sofern ich eine Leistungssteigerung erzielen möchte.
Wie sieht es mit der Fettverbrennung beim Trainingspuls aus?
Schließlich möchte ich mich noch der Frage nach der Fettverbrennung im Verhältnis zum Trainingspuls widmen, da diese oft und gerne gestellt wird. Beim aeroben Training, also im unteren Bereich des optimalen Trainingspuls ist die Fettverbrennung im relativen Anteil am höchsten. Je mehr anaerobes Training hinzu kommt, also je höher der Trainingspuls, desto niedriger wird der relative Anteil an Fettverbrennung (Unteschied aerob anaerob). Nur kann daraus nicht, wie so oft, geschlussfolgert werden, dass mehr Fett verbrannt wird, je niedriger der Trainingspuls ist. Denn je höher die Trainingsintensität ist, also je höher der Trainingspuls liegt, desto höher ist auch der Energieumsatz (mehr Energie wird verbraucht) und somit liegt die absolute Fettverbrennung beim Training im höheren Trainingspuls Bereich am höchsten.
Das heißt nun aber gleichzeitig nicht, dass auf Teufel komm raus trainiert werden sollte, um die ungeliebten Fettpölsterchen loszuwerden. So ist z.B. für die Fettverbrennung ein 1stündiges Ausdauertraining im unteren Bereich des Trainingspuls einem 20minütem Training im oberen Bereich des Trainingspulses vorzuziehen. Also lieber länger und weniger, als kürzer und mehr. Hinzu kommt, dass mit der Trainingsfreuqenz, also einem regelmäßigem Training, die Pulsfrequenz sinkt und somit die Intensität gesteigert werden muss, um im optimalen Trainingspuls zu bleiben.
Da ich mit diesem Beitrag über den optimalen Traingspuls nun schon etwas lang geworden bin, möchte ich mich der Erklärung des Unterschiedes zwischen aeroben und anaeroben Training in einem späteren Beitrag widmen.



Gerade untrainierte Personen laufen oft Gefahr des Übertrainings, was sich auch schädlich auf die Gesundheit auswirken kann.”
Was widerum bei vielen dazu führt – zumindest hörte ich das immer wieder – das die dann einfach die Lust verlieren ..
“Das heißt nun aber gleichzeitig nicht, dass auf Teufel komm raus trainiert werden sollte, ”
lol,… direkt noch einmal meine Antwort ..
@Seba: Versteh ich jetzt nicht *kopfkratz*
Als ich Anno 1993 noch Zeitsoldat war, habe ich sehr viel Wert auf körperliche Gesundheit und Fitness gelegt. Ich trainierte mehrmals täglich sehr hart. Dabei war eine Ernährungsumstellung genauso wichtig, wie konsequentes, aber vor allem durchdachtes Kraft -und Ausdauertraining. Egal ob ich Joggte, oder Leistungsmärsche über 30 Kilometer machte, meinen Puls habe ich stetig bei 145 gehalten. Nicht weniger als 140, aber auch nicht mehr als 150 sollte es am besten sein. Der Puls spielt beim Trainieren eine ganz wichtige Rolle. Nur dadurch kann man gesund Fett abbauen und die eigene Leistung enorm steigern. Am Anfang meines Trainings war es für mich schwierig, den Puls nicht auf über 150 steigen zu lassen. Nach ein paar Wochen war es genau anders herum. Da musste ich ganz schön strampeln, um meinen Puls auf den Wert von 145 zu bekommen und ihn auch 1 Stunde auf diesem Niveau zu halten.
Und 2009? Ich mache schon jahrelang keine langen Märsche mehr. Das kann man auch deutlich an meinem jetzigen Bauchumfang erkennen.
Ich jogge 2 mal die Woche für 30 Minuten und stemme ein bisserl Gewichte im Fitnessstudio, dass wars. Mein Pulsmesser liegt schon (leider) seit Jahren im Schrank herum.
lol…
meinte eigentlich nur – dass viele, die “Sport” zu ehrgeizig betreiben .- oder auf Teufel komm raus traionieren – schnell die Lust wieder dran verlieren.
Eben wegen dem Übertrainig … etc …
@Seba: Ja, wenn man auch davon ausgeht, dass Übertraining in den meisten Fällen einen Leistungsabfall zur Folge hat, dann ist das echt frustrierend und wohl auch einer der Gründe. Meistens ist das “auf Teufel komm raus trainieren” aber eher bei Anfängern zu finden und denen dürfte vor allem auch der massive Muskelkater zu schaffen machen
@Joachim: Das kommt mir ziemlich bekannt vor. Ich muss mittlerweile auch ganz schön strampeln um überhaupt mal über 140 zu kommen. Bei meiner normalen Trainingsintensität auf dem Crosstrainer ist das teilweise erst nach 10 bis 15 Minuten der Fall.
Es macht aber auf jeden Fall Sinn den Pulsmesser mal wieder rauszukramen und immer mal wieder das ein oder andere Training damit zu absolvieren. Nicht nur damit man die untere Grenze auch überschreitet, sondern vor allem damit man die obere nicht dauernd überschreitet. Gerade wenn man eine Zeit lang ohne Pulsmesser trainiert hat, gibt es ganz schöne Überraschungsmomente.